Das eigene Unternehmen auf einer der deutschland- und weltweit meistbesuchten Websites zu platzieren, klingt verlockend. So wurde die deutsche Version von Wikipedia 2022 täglich im Schnitt über 27 Millionen Mal aufgerufen. Schließlich ist die Plattform für viele Menschen häufig die erste Anlaufstelle bei Recherchen und erscheint oft unter den ersten Suchergebnissen von Websuchmaschinen. Zudem wirken Informationen über Unternehmen auf Wikipedia besonders glaubwürdig, weil die Inhalte von der Allgemeinheit „geprüft“ und erstellt werden.

Als Enzyklopädie hat Wikipedia den Anspruch, neutral zu sein. Doch gibt es in Unternehmen unklare Vorstellungen davon, was Wikipedia ist und wie es funktioniert. Das Staunen ist dann groß, wenn Änderungen an einem Artikel von „Wikipedianer:innen“ rückgängig gemacht werden. Oder wenn gar ein:e Administrator:in die Bearbeitung sperrt oder einen neu erstellten Artikel löscht. Zudem kursieren Empfehlungen wie jene, dass Kommunikator:innen den Wikipedia-Artikel ihres Unternehmens zu Hause am privaten Rechner bearbeiten sollten, um zu verschleiern, dass sie im Firmenauftrag handeln. Dabei ist es Unternehmen grundsätzlich erlaubt, Wikipedia-Artikel anzulegen und zu bearbeiten. Wichtig ist nur, dass sie transparent handeln und sich am Gemeinnutzen orientieren.

Einen Artikel zu veröffentlichen oder einen bestehenden zu überarbeiten, ist somit kein Hexenwerk. Sobald es allerdings einen Artikel zum Unternehmen im Online-Lexikon gibt, muss er auch dauerhaft betreut werden. Nur so erhalten Leserinnen und Leser ein stimmiges, aktuelles und korrektes Bild.

 

Wikipedia ist keine Marketing-Plattform

Wikipedia ist eine freie Online-Enzyklopädie und ein gemeinnütziges Projekt mit einer riesigen Community, die in ihrer Freizeit Inhalte pflegt und erstellt. Weil es ein Gemeinschaftsprojekt ist, hat niemand Anspruch auf die Inhalte. Auch ein Artikel über ein Unternehmen „gehört“ diesem nicht. Kommunikator:innen können nur begrenzt beeinflussen, was über ihr Unternehmen auf Wikipedia steht. Denn alle Inhalte müssen enzyklopädisch relevant und neutral geschrieben sein. Wikipedia hat dafür Relevanzkriterien verfasst und bietet einen Relevanzcheck für neue Artikel an. Das verhindert, dass die Plattform als Werbebühne zweckentfremdet wird.

 

Wikipedia-Artikel schreiben – Richtlinien beachten

Obwohl jede:r – auch ohne Registrierung – Inhalte auf Wikipedia bearbeiten kann, ist es keine gute Idee, das ohne Strategie zu tun. Die Community achtet auf Änderungen und prüft gegebenenfalls nach, ob diese sinnvoll sind. Wird eine Änderung in Frage gestellt oder gar als falsch angesehen, kann das in einer Bearbeitungssperre enden oder der Artikel im schlimmsten Fall gelöscht werden.

Besonders hinter großen anonymen inhaltlichen Änderungen vermutet die Wikipedia-Community schnell Schönfärberei. Von Winkelzügen – wie dem Bearbeiten von Unternehmensartikeln vom privaten Account aus – ist dringend abzuraten. Wenn Kommunikator:innen einen Wikipedia-Artikel aus kommerziellem Interesse veröffentlichen oder bearbeiten möchten, so sollten sie das offenlegen. Das ist mit einem Hinweis auf der Benutzerseite möglich. Indem sie die Community von Anfang an mit einbeziehen und Änderungen vorher auf der jeweiligen Diskussionsseite des Artikels ansprechen, verhindern sie, dass die Community oder Administrator:innen Änderungen ablehnen.

 

Kommunikations-Strategie für Wikipedia

Für einen erfolgreichen Unternehmenseintrag auf Wikipedia benötigen Kommunikator:innen Erfahrung im Regeldschungel der Plattform und eine fundierte Strategie. Zuerst sollten sie überprüfen, welche Informationen über ihr Unternehmen – oder auch seine Mitarbeiter:innen – auf Wikipedia stehen. Im Anschluss daran können sie die Überarbeitung der Artikel planen.

Ist bisher kein Artikel vorhanden, können sie sich Gedanken zu einem neuen Eintrag machen. Um Aussagen im Artikel per Fußnote neutral zu belegen, benötigen sie glaubwürdige Quellen. Gut geeignet dafür sind beispielsweise Presseberichte unabhängiger Medien.

Ist ein erster Entwurf für den Unternehmensartikel erstellt und von den anderen „Wikipedianer:innenn“ akzeptiert, kann er peu à peu erweitert werden. Möglicherweise interessiert das Thema auch andere Wikipedia-Autor:innen, die sich daran beteiligen und den Artikel weiter ausbauen. Auch hier gilt: Größere Änderungen sollten auf der Diskussionsseite besprochen werden.

 

Marketingbrille absetzen – Reichweite ausbauen

Mit einem Artikel über sich auf Wikipedia können Unternehmen ihre Sichtbarkeit im Web deutlich steigern. Existiert bereits ein Wikipedia-Artikel, sollten Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen prüfen, ob das Unternehmen darin korrekt dargestellt ist: Denn stimmt etwas nicht, kann das sogar dem Image schaden. Kommunikator:innen sollten ihn dann gemäß der Wikipedia-Regeln korrigieren. Allerdings ist es wichtig, dass sie dabei ihre Marketingbrille absetzen und sich in mögliche Leserinnen und Leser hineinversetzen: Was wollen sie wissen und was erwarten sie? Mit sachlichen, umfassenden und belegten Informationen können Sie deshalb nichts falsch machen.