Bindungsangst? Kopplungsträgheit? Oder wie sonst lässt sich das Phänomen beschreiben, dem das Zusammenschreiben und der Bindestrich zunehmend zum Opfer fallen? Wer grammatikalisch sensibel durchs Leben geht, merkt es zum Beispiel beim Griff in den heimischen Küchenschrank: Die „Tomaten Cremesuppe“, das „Dinkel Mehl“, die „Kicher Erbsen“ – auf fast jeder Packung stehen die Substantive locker beieinander, als ob’s mit Leerzeichen besser schmecken würde. Eine gute Fundgrube sind auch Websites und Stellenanzeigen von Firmen, die zum Beispiel „Content Marketing Experten“ suchen, ihren „Lounge Bereich“ und ihre „Team Meeting Räume“ anpreisen und auf ihre „Facebook Seite“ verweisen. Anstatt die deutschen und englischen Begriffe mit Bindestrichen zu koppeln, stehen auch hier Leerzeichen.

Das Leerzeichen trennt, was zusammengehört

Was sagt der Duden dazu? Die Regel ist eindeutig: Zusammengesetzte Substantive werden im Deutschen zusammengeschrieben, auch dann, wenn es sich teilweise oder ganz um Fremdwörter handelt. Zur besseren Lesbarkeit kann ein Bindestrich gesetzt werden – zum Beispiel dann, wenn deutsche und englische Begriffe gekoppelt werden („Team-Meeting-Räume“). Der Bindestrich zeigt dem Leser, was zusammengehört, während das Leerzeichen den Zusammenhang auflöst. Auch wird der Lesefluss gestört, wenn man bei der Lektüre plötzlich auf eine lose Aneinanderreihung einzelner Substantive stößt: Der Kopf muss meist einen Augenblick innehalten, um die Bedeutung zu erfassen.

Woher das Faible für Leerzeichen kommt

Dass die Kopplungsregeln zunehmend verloren gehen, hat vermutlich mehrere Gründe:

  • der zunehmende Einfluss des Englischen. In der englischen Sprache werden zusammengehörige Wörter nicht verbunden. In deutschen Texten wird aus dem „Facility Manager“ aber ein „Facility-Manager“.
  • Marketingvorgaben: Viele Firmen koppeln ihre Unternehmens- und Produktnamen grundsätzlich nicht, sodass man als Leser immer wieder über „Maier Möbel Spezialisten“ oder „Binder Maschinen“ stolpert. Das gilt nicht nur für die Wirtschaft, auch die Uni Tübingen nennt sich „Eberhard Karls Universität“.
  • das mobile Texten: Wer Whatsapp-Nachrichten oder Facebook-Posts auf dem Smartphone oder Tablet verfasst, nutzt oft die Autokorrektur – und die funktioniert beim „WM Spar Angebot“ viel besser als beim „WM-Spar-Angebot“, obwohl das erste falsch und das zweite richtig ist.

Grundsätzliche Regeln für die Kopplung von Substantiven

  • Zusammengesetzte Substantive werden laut Duden grundsätzlich zusammengeschrieben (z.B. Handcreme).
  • In manchen Fällen, z.B. bei Aneinanderreihungen oder zur besseren Lesbarkeit, setzt man Bindestriche ein, anstatt die Wörter zusammen zu schreiben (z.B. Lotto-Annahmestelle, Vertriebs-Joint-Venture).
  • Diese beiden Regeln gelten auch für Fremdwörter etwa aus dem Englischen (z.B. Desktoppublishing, auch: Desktop-Publishing).
  • Nur bei Adjektiv-Substantiv-Kombinationen aus dem Englischen darf ein Leerzeichen stehen (z.B. Social Media, Public Relations, Top Ten).