Viele Unternehmen pflegen einen Businessjargon, der nebulös und aufgebläht wirkt. Wer Mitarbeitende, Kund:innen oder die Öffentlichkeit überzeugen will, sollte Phrasen vermeiden – und verständlich sprechen. Dabei hilft journalistische Kompetenz.

Ganz ohne Floskel-Alarm über Wirtschaft schreiben? Das Magazin „brand eins“ zeigt, wie‘s geht. Mit überraschenden Geschichten bringt es seinen Leserinnen und Lesern das Abenteuer Wirtschaft nahe.  Typisch sind die hohe journalistische Qualität und die klare, verständliche Sprache. Dass jemand „out of the box“ denkt, ein „agiles Mindset“ hat oder „nachhaltig Mehrwerte generiert“: Solche Phrasen wird man in diesem Magazin kaum finden. Jens Bergmann, Wirtschaftsjournalist und stellvertretender Chefredakteur der „brand eins“, hat dem „Business Bullshit“ kürzlich ein ganzes Buch gewidmet. Er kritisiert darin „das nebulöse Schöngeschwafel in deutschen Führungsetagen“. Seine These: „Wer Phrasen verbreitet, glaubt nicht wirklich daran. Und wer sich das ständig anhören muss, auch nicht.“

Verständlichkeit schafft Vertrauen

Nicht nur Journalisten haben ihre Mühe damit, Businessjargon in verständliche Sprache zu übersetzen. Auch viele Mitarbeitende, Geschäftspartner:innen und Kund:innen empfinden die gängige Wirtschaftssprache als vage und aufgebläht. Ob in Besprechungen, Präsentationen oder auf LinkedIn: Es wimmelt vor englischen Begriffen wie Purpose, Performance und Learnings. Unternehmen sprechen davon, „Technologietreiber zu identifizieren“, „Synergieeffekte zu forcieren“ oder „Effizienzgewinne zu generieren“. Manche Phrasen sollen Trivialitäten als große Idee verkaufen oder gar Unangenehmes verschleiern, zum Beispiel die Arbeitsplätze, die den „Synergieeffekten“ zum Opfer fallen. Vielen Unternehmen fällt es zudem schwer, ihre Sprache dem Wissensstand und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden, Kund:innen und der Öffentlichkeit anzupassen. Sie verschanzen sich hinter Fachbegriffen und technischen Erläuterungen, anstatt die Vorteile ihrer Produkte und Dienstleistungen verständlich zu erläutern. Damit können sie ihre Zielgruppen zwar kurz beeindrucken, aber nicht auf lange Sicht überzeugen – zulasten des unternehmerischen Erfolgs.

Die Angst vor der klaren Sprache

Ohnehin glauben viele Fach- und Führungskräfte: Wer Wichtiges zu sagen hat, muss gestelzt formulieren. Sie fürchten, sich mit einer einfachen, klar verständlichen Sprache auf ein niedriges Niveau zu begeben. So entstehen verschachtelte Sätze und sperrige Passivkonstruktionen, die Distanz schaffen und keine Lesefreude aufkommen lassen. Deshalb kommen viele Botschaften beim Empfänger nicht an. Mitarbeiterzeitungen, Kundenbriefe oder Presseinformationen landen im – realen oder digitalen – Papierkorb. Ansprachen und Vorträge verklingen, ohne dass das Wesentliche beim Publikum hängenbleibt. All das schadet letztendlich dem Geschäft. Wer erfolgreich sein will, muss verstanden werden. Das gilt für Unternehmen, aber auch für Einzelpersonen wie Führungskräfte. Ihre Sprache entscheidet darüber, ob ihr Team sie für arrogant oder nahbar, unglaubwürdig oder glaubwürdig hält, kurzum: ob es die Führungskraft ernst nimmt.

Journalistisch denken und schreiben

Um das sprachliche Dickicht zu lichten, brauchen Unternehmen journalistische Kompetenz, die sie entweder selbst aufbauen oder von außen holen. PR- und Content-Agenturen wie Communication Consultants vermitteln ihren Nachwuchskräften das „Sprachhandwerk“ von der Pike auf. Dabei geht es um weit mehr als um die sprichwörtliche flotte Schreibe. Wer journalistisch geschult ist, hat ein Gespür für interessante Themen, kann aus einer Fülle von Informationen die wesentlichen Botschaften herausfiltern und so vermitteln, dass sie die jeweilige Zielgruppe auch wirklich erreichen. Auch die verschiedenen Stilformen, von der Nachricht über das Interview bis zur Reportage, gehören zum journalistischen Handwerk. Den passenden Aufhänger für ein Thema finden, die Leser:innen strukturiert durch den Text führen, komplexe Sachverhalte verständlich erklären, einfach und lebendig schreiben, gestelzte Formulierungen und Amtsdeutsch vermeiden: All das ist für Kommunikationsprofis selbstverständlich. Ihr Motto: Bitte kein Business-Bullshit!

Verständliche Wirtschaftssprache – die wichtigsten Regeln

  • Englische Begriffe möglichst vermeiden
  • Keine Phrasen
  • Fachsprache nur in Fachkreisen
  • Keine Passivkonstruktionen und Substantivierungen
  • Kurze Sätze, einfache Worte, anschauliche Beispiele