Viele Unternehmen sprechen und schreiben so unverständlich, dass ihre Botschaften weder die eigenen Mitarbeiter noch die Kunden oder die Öffentlichkeit erreichen. Journalistische Standards helfen, die Probleme der Unternehmenssprache zu lösen.

Jedes Jahr küren die Leser der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ die „Sprachwahrer des Jahres“. Unternehmenssprache hat es hier oft schwer. Ein Gegenbeispiel: 2013 wurde die Deutsche Bahn auf den ersten Platz gewählt, weil sie – Achtung, Sprachwitz – „Anglizismen auf das Abstellgleis stellt“. Die Bahn verkündete, die Verwendung englischer Begriffe sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation begrenzen zu wollen. Was früher ein „Service-Point“ war, ist nun wieder ein Schalter mit dem Schild „Information“. „Flyer“ heißen nun wieder „Handzettel“ – rund 2.200 englische und scheinenglische Begriffe wurden auf diese Weise durch deutsche Begriffe ersetzt. Die Aktion ist umso bemerkenswerter, als die Bahn noch ein paar Jahre zuvor zur Sprachsünderin gewählt wurde. Was das Unternehmen zur Kehrtwende bewegte, waren die Kunden: Viele von ihnen hatten schlichtweg nicht verstanden, was die Bahn ihnen sagen wollte.

Phrasen und Fachbegriffe

Eine englisch durchsetzte Sprache ist nicht das einzige Problem der Unternehmenssprache. Auch Phrasen erschweren die Kommunikation. Zum Beispiel wenn Unternehmen davon sprechen, „Technologietreiber zu identifizieren“, „Synergieeffekte zu forcieren“ oder „Effizienzgewinne zu generieren“.  Wer so formuliert, will vielleicht eine Trivialität als große Idee verkaufen oder gar Unangenehmes verschleiern, zum Beispiel die Arbeitsplätze, die den „Synergieeffekten“ zum Opfer fallen. Vielen Unternehmen fällt es zudem schwer, ihre Sprache dem Wissensstand und den Bedürfnissen der Mitarbeiter, Kunden und der Öffentlichkeit anzupassen. Sie verschanzen sich hinter Fachbegriffen und technischen Erläuterungen, anstatt die Vorteile ihrer Produkte und Dienstleistungen verständlich zu erläutern. Damit können sie ihre Kunden zwar kurz beeindrucken, aber nicht auf lange Sicht überzeugen.

Eitelkeit statt Verständlichkeit

Ohnehin glauben viel Fach- und Führungskräfte: Wer Wichtiges zu sagen hat, muss gestelzt formulieren. Sie fürchten, sich mit einer einfachen Sprache auf ein niedriges Niveau zu begeben. So entstehen verschachtelte Sätze und sperrige Passivkonstruktionen, die keine Lesefreude aufkommen lassen. Deshalb kommen viele Botschaften beim Empfänger nicht an. Mitarbeiterzeitungen, Kundenbriefe oder Presseinformationen landen im – realen oder digitalen – Papierkorb. Ansprachen und Vorträge verklingen, ohne dass das Wesentliche bei den Zuhörern hängenbleibt. All das schadet letztendlich dem Geschäft. Wer erfolgreich sein will, muss verstanden werden. Das gilt für Unternehmen, aber auch für Einzelpersonen wie Führungskräfte. Ihre Sprache entscheidet darüber, ob ihr Team sie für arrogant oder nahbar, unglaubwürdig oder glaubwürdig hält, kurzum: ob es die Führungskraft und ihre Anordnungen ernst nimmt.

Journalistisch denken und schreiben

Um das sprachliche Dickicht zu lichten, brauchen Unternehmen journalistische Kompetenz, die sie entweder selbst aufbauen oder von außen holen können – die richtige Adresse sind PR- und Content-Agenturen, die inhaltlich arbeiten und deren Berater und Redakteure ein Volontariat durchlaufen haben. Ein Volontariat ist der klassische Einstieg in den Journalismus, hier lernt man das Schreibhandwerk von der Pike auf. Doch es geht um weit mehr als um die sprichwörtliche flotte Schreibe. Wer journalistisch geschult ist, hat ein Gespür für interessante Themen, kann aus einer Fülle von Informationen die wesentlichen Botschaften herausfiltern und so vermitteln, dass sie die jeweilige Zielgruppe auch wirklich erreichen. Auch die verschiedenen Stilformen, von der Nachricht über das Interview bis zur Reportage, gehören zum journalistischen Handwerk. Den passenden Aufhänger für ein Thema finden, den Leser strukturiert durch den Text führen, komplexe Sachverhalte verständlich erklären, einfach und lebendig schreiben, gestelzte Formulierungen und Amtsdeutsch vermeiden: All das ist für gute Redakteure selbstverständlich. Ihr Motto: Klartext statt Blähtext.


Verständliche Wirtschaftssprache – die wichtigsten Regeln

  • Englische Begriffe möglichst vermeiden
  • Fachsprache nur in Fachkreisen
  • Keine Passivkonstruktionen und Substantivierungen
  • Kurze Sätze, einfache Worte, anschauliche Beispiele
  • Keine Phrasen